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KI & Schulanfang: Bedingungen, denen Sie im Sommer zugestimmt haben

Verfasst von Stina Boge | 6. Mai 2026

Jeden August beginnt das Ritual von vorn. Zugangsdaten werden hervorgeholt, WLAN-Passwörter zurückgesetzt, und irgendjemand merkt, dass das Systemupdate, das eigentlich für Juli geplant war, irgendwie nicht durchgeführt wurde. Ein vertrautes, aber überschaubares Chaos.

Dieses Jahr steht allerdings noch etwas Neues auf der Liste. Und das lässt sich nicht so einfach mit einem schnellen Neustart beheben. KI ist keine Option mehr, sondern Realität.

Ob Ihre Schule bereits eine KI-Strategie hat oder nicht: Die Tools, die Sie heute schon nutzen, bekommen still und leise KI-Funktionen integriert. Neue Schalter tauchen in Dashboards auf. Funktionen werden in Produkt-Update-E-Mails angekündigt, die niemand liest, bis etwas schiefläuft. Die Frage ist längst nicht mehr, ob KI Teil des Schulalltags wird. Diese Entscheidung wurde bereits getroffen.

Von „Was sollen wir mal ausprobieren?“ bis zu „Moment mal, worauf hatten wir uns eigentlich geeinigt?“

Jahrelang wurden Entscheidungen im Bildungsbereich eher von Begeisterung als von belastbaren Erkenntnissen geprägt. Neue Plattform, neues Pilotprojekt, neues Versprechen. Schulen wurden dazu ermutigt, Dinge einfach auszuprobieren, schnell zu handeln und die Details später zu klären. Viele dieser Details blieben auf der Strecke.

Jetzt stellen Schulleitungen in ganz Europa deutlich kritischere Fragen zu den Tools, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben: Was funktioniert tatsächlich? Welche Systeme sammeln mehr Daten als nötig? Und was genau haben wir eigentlich akzeptiert, als wir auf „Aktualisierte Bedingungen akzeptieren“ geklickt haben?

Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung. Sie kommt allerdings etwas spät.

Was Sie vor Schulbeginn tatsächlich tun sollten

Beginnen Sie mit einer Prüfung Ihrer Plattformen und Tools.Welche Systeme nutzt Ihre Schule aktuell, und bei welchen wurden im vergangenen Jahr still und leise KI-Funktionen eingeführt? Die Antwort lautet wahrscheinlich: mehr, als Sie erwarten würden. Die nächste Frage ist, ob diese Funktionen mit aktualisierten Vereinbarungen zur Datenverarbeitung eingeführt wurden. Denn unter der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union tragen Schulen die rechtliche Verantwortung dafür, was mit Schülerdaten geschieht, sobald diese ihre eigenen Systeme verlassen.

Das ist keine übertriebene Vorsicht. Es ist gute Governance. Europäische Schulen sind für diesen Moment gut vorbereitet. Die DSGVO gibt Schulen echte Möglichkeiten, klare Antworten von Anbietern einzufordern. Der EUI AI ACT rgänzt dies um weitere Anforderungen an Transparenz und Verantwortlichkeit für KI-Systeme, die in sensiblen Bereichen wie Bildung eingesetzt werden. Die Rahmenbedingungen sind vorhanden. Entscheidend ist, sie als praktische Werkzeuge zu nutzen, nicht als reine Bürokratie, und Anbietern die richtigen Fragen zu stellen, bevor der Vertrag unterschrieben wird, nicht erst, wenn etwas schiefläuft.

Was wir im Verborgenen tun

Lehrkräfte kopieren Unterrichtspläne in ChatGPT. Lernende nutzen KI-Schreibassistenten, von denen die Schule noch nie gehört hat. Eine engagierte Verwaltungskraft verarbeitet Leistungsdaten von Lernenden mit einem kostenlosen KI-Tool, um bei einem Bericht Zeit zu sparen. Nichts davon taucht in Ihrer Plattformprüfung auf, weil keine dieser Anwendungen jemals offiziell freigegeben wurde.

Lehrkräfte kopieren Unterrichtspläne in ChatGPT. Lernende nutzen KI-Schreibassistenten, von denen die Schule noch nie gehört hat. Eine engagierte Verwaltungskraft verarbeitet Leistungsdaten von Lernenden mit einem kostenlosen KI-Tool, um bei einem Bericht Zeit zu sparen. Nichts davon taucht in Ihrer Plattformprüfung auf, weil keine dieser Anwendungen jemals offiziell freigegeben wurde.

Das ist Schattennutzung, und sie ist weit verbreitet. Sie ist aber nicht in erster Linie ein Disziplinproblem. Sie ist ein Lückenproblem. Wenn Schulen keine hilfreichen Tools bereitstellen, suchen sich Menschen eigene Lösungen. Wenn offizielle Plattformen umständlich, langsam oder weit entfernt von dem wirken, was Lehrkräfte im Alltag tatsächlich brauchen, entstehen Umgehungslösungen. Die Antwort auf Schattennutzung ist nicht einfach eine strengere Richtlinie. Es geht darum, ehrlich zu fragen, warum Menschen das Gefühl hatten, woanders suchen zu müssen, und ob sich die Ursache beheben lässt..

Das bedeutet, dem Thema voraus zu sein, bevor das neue Schuljahr beginnt. Eine klare und realistische Richtlinie für den Einsatz von KI ist wichtig. Eine Richtlinie, die anerkennt, dass KI bereits existiert, und Mitarbeitenden sowie Lernenden einen sinnvollen Rahmen bietet, statt so zu tun, als würde ein Verbot dauerhaft funktionieren. Noch wichtiger ist jedoch, sicherzustellen, dass die freigegebenen Tools so gut sind, dass Menschen sie tatsächlich nutzen möchten.

Zuerst mit den Lehrkräften sprechen, dann über die Tools entscheiden

Viele Lehrkräfte sind ehrlich begeistert davon, wie KI ihren Arbeitsalltag erleichtern kann. Gleichzeitig sind viele erschöpft vom Tempo der Veränderungen und erleichtert, wenn jemand sie fragt, wie sie tatsächlich darüber denken. Der Schulstart ist der richtige Zeitpunkt für dieses Gespräch.

Es ist auch ein guter Zeitpunkt, Lehrkräften KI-Lösungen zu zeigen, die von Anfang an für ihre Anforderungen entwickelt wurden und nicht erst im Nachhinein angepasst werden. Später in diesem Jahr bringt itslearning das AI Teacher Toolkit auf den Markt, eine Reihe von Funktionen, die gezielt bei Aufgaben unterstützen, die im Schulalltag besonders viel Zeit kosten: Unterricht planen, Aktivitäten strukturieren, Materialien vorbereiten und Inhalte für Lernende anpassen, die einen anderen Ansatz benötigen.

Differenzierung ist eine dieser Aufgaben, bei denen alle Lehrkräfte wissen, wie wichtig sie ist, für die im Alltag aber oft die Zeit fehlt. Genau hier sollte gut entwickelte KI sinnvoll unterstützen. Entscheidend ist dabei: Alles bleibt innerhalb der bestehenden itslearning-Umgebung. Schüler- und Lerndaten bleiben dort, wo sie hingehören, unter Ihrer Kontrolle. Keine KI, die pädagogische Entscheidungen ersetzt, sondern eine, die Lehrkräften mehr Freiraum verschafft, um diese Entscheidungen bewusst treffen zu können. Im besten Fall entsteht so eine Lösung, bei der niemand das Gefühl hat, sich anderweitig umsehen zu müssen.

Und ja, natürlich gilt auch: Prüfen Sie, ob Ihre Integrationen funktionieren, Zugriffsrechte aktuell sind und neue Funktionen die Schulung und Einführung bekommen, die sie brauchen. Auch die unspektakulären Dinge bleiben wichtig.

Die eigentliche Frage  

Hinter all den praktischen Vorbereitungen steht letztlich eine wichtige Frage: Wessen Interessen unterstützt die Technologie Ihrer Schule eigentlich?

Die Plattformen mit den grössten Marktanteilen wurden überwiegend von Unternehmen entwickelt, deren Geschäftsmodell nur wenig mit Bildung zu tun hat. Das macht sie nicht automatisch zu schlechten Lösungen. Es bedeutet aber, dass Schulen keine gemeinsame Zielsetzung voraussetzen sollten, wenn diese nie Teil des Konzepts war. Wenn ein Produkt kostenlos ist, stark vergünstigt angeboten wird oder Teil eines grösseren Pakets ist, lohnt es sich zu fragen, was im Gegenzug dafür erwartet wird.

Es lohnt sich auch zu hinterfragen, wo Ihre Daten tatsächlich gespeichert werden. Anbieter, die Daten ausserhalb der EU hosten, unterliegen ganz anderen gesetzlichen Vorgaben. Diese können sie verpflichten, Daten an Dritte weiterzugeben, auf eine Weise, die hier in Europa nicht zulässig wäre. Deshalb gehört diese Frage in jedes Beschaffungsgespräch.

Und es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Plattformen, die in Europa für europäische Schulen entwickelt wurden, und Plattformen, die ursprünglich für einen globalen Markt gebaut und erst später an europäische Anforderungen angepasst wurden. Die einen entstehen aus derselben regulatorischen Realität heraus, mit der Schulen hier täglich arbeiten. Die anderen versuchen, nachträglich aufzuholen.

Lernende verdienen Plattformen, die konsequent für gutes Lernen entwickelt wurden. Nicht Plattformen, die Lernen in erster Linie als Datenquelle betrachten, mit einer Anmeldemaske davor.

Lesen Sie unsere KI-Grundsätze, um mehr darüber zu erfahren, wie itslearning mit KI arbeitet. 

Die richtigen Tools sparen nicht nur Zeit, sie verändern auch, wie Lernen gestaltet wird. Was könnten Sie tun, wenn Sie jede Woche ein paar Stunden mehr zur Verfügung hätten?

 

Nehmen Sie an unserem Webinar teil: Erleben Sie unser AI Teacher Toolkit in der Praxis