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Individuelles Lernen in der Schule: Wie ein digitales Lernkonzept im Alltag funktioniert am Gymnasium Mainz-Mombach

Verfasst von Betül Kilci | 6. Juli 2026

Schule neu denken: Zwischen TOL-Kursen, Lernloft und Makerspace lernen

Wie kann Schule so gestaltet werden, dass sie den unterschiedlichen Bedürfnissen von Kindern gerecht wird, ohne dabei an Orientierung zu verlieren? Das ist die zentrale Frage moderner Pädagogik, besonders für Schulen, die Digitalisierung im Schulalltag vorantreiben und neue Lernformate umsetzen wollen, um die Zukunft der Bildung aktiv mitzugestalten. Gerade im klassengebundenen Unterricht zeigt sich oft eine zentrale Herausforderung: Während einige Lernende Inhalte schnell erfassen, benötigen andere etwas mehr Zeit, andere Methoden oder gezielte Unterstützung. Ein einheitlicher Lehrstil wird diesen Unterschieden nur begrenzt gerecht.

Das Gymnasium Mainz-Mombach hat diesen Ausgangspunkt bewusst aufgegriffen. Als Schule im Aufbau wurde die Möglichkeit genutzt, bestehende Strukturen nicht einfach zu übernehmen, sondern Schule neu zu denken. Ziel ist ein Lernumfeld, das Individualisierung ermöglicht, ohne dabei die notwendige Struktur aus den Augen zu verlieren. Dieser Ansatz knüpft an ihren Leitgedanken "Schule neu denken" an. Am Gymnasium Mainz-Mombach bedeutet das, Lernsettings zu schaffen, die individuelles Wachstum ermöglichen, Räume öffnen und Lernen stärker mit der Lebenswelt der Kids verbinden.

Christian Schlegel, Lehrkraft am Gymnasium Mainz-Mombach, bringt dieses Spannungsfeld klar auf den Punkt:

„Lernen ist ein sehr individueller Prozess, in den Kinder ihre Stärken, Schwächen, Fragen und Bedürfnisse einbringen. Das kann man nicht zentral durch eine Lehrkraft für viele Kinder gleichzeitig steuern.“

Christian Schlegel, Lehrkraft

Vertrauen als Grundlage: Lernen als gemeinsamer Prozess

Im Zentrum des Schulkonzepts steht ein klares Menschenbild: Lernen funktioniert dann am besten, wenn die jungen Menschen ernst genommen werden und Verantwortung übernehmen können.

Dieses Verständnis zeigt sich im Alltag durch ein hohes Maß an Vertrauen. Lernende gestalten ihren Tag aktiv mit, treffen Entscheidungen über ihren Lernprozess und lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, zu kommunizieren und zu reflektieren. Gleichzeitig werden sie dabei durch Lehrkräfte begleitet.

Dies Rolle der Lehrkraft am Gymnasium Mainz Mombach ist vielfältig: Sie übernehmen stärker die Rolle der Lernbegleitung und des Mentorings.

Dazu gehören:

  • Gezielte Unterstützung im Lernprozesses 
  • Feedback zu erledigten Aufgaben
  • individuelle Förderung und Entwicklung
  • Begleitung über die reinen Lehr- und Lerninhalte hinaus

Dabei wird auch sichtbar, dass Vertrauen kein Selbstläufer ist, sondern bewusst gestaltet werden muss. Es braucht klare Rahmenbedingungen, transparente Abläufe und eine gemeinsame Haltung im Kollegium.

Ein Blick in den Schulalltag: Lernloft, Lernformate und eigenverantwortliches Arbeiten

Wie sich dieses Konzept konkret im Alltag zeigt, wird besonders im sogenannten Lernloft deutlich. Dieses offene Lernbüro bildet das Zentrum des Lernens. Alle Lernenden haben dort einen eigenen Arbeitsplatz, von dem aus der Tag geplant und gestaltet wird.

Der Tag beginnt häufig mit einer individuellen Planung. Lernende entscheiden, welche Aufgaben sie bearbeiten, wo sie arbeiten möchten und welche Unterstützung sie gegebenenfalls benötigen. Dabei entstehen flexible Lerngruppen, aber auch Phasen konzentrierter Einzelarbeit oder bewusster Pausen.

Diese Form des Arbeitens findet in offenen Lernsettings statt, die bewusst darauf ausgelegt sind, unterschiedliche Lernbedürfnisse zu berücksichtigen.

Ein zentraler Bestandteil sind dabei zwei strukturierende Lernformate:

Facherorientiertes Lernen (FOL): Strukturierte Lernpfade im Fachunterricht

Beim fachorientierten Lernen bearbeiten die Lernenden klar strukturierte Fachinhalte. Diese ähneln traditionellen Unterrichtseinheiten, sind jedoch als Lernpfade innerhalb von itslearning. Sie können verschiedene Arten von Materialien wie Texte, Videos, Übungen oder digitale Aufgaben umfassen. Die Lernenden arbeiten die Inhalte Schritt für Schritt durch, verstehen sie, wenden sie an und bewerten sie in ihrem eigenen Tempo.

Themenorientiertes Lernen (TOL): Vernetztes Lernen über Fächer hinweg

Im themenorientierten Lernen werden Fächer miteinander verbunden. Ein übergeordnetes Thema wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. In itslearning können die dazugehörigen Materialien, Aufgaben und Lernschritte an einem zentralen Ort gebündelt werden. So entsteht ein vernetztes Lernen, das Inhalte miteinander verknüpft und praktische Anwendungen ermöglicht.

Ein Beispiel aus dem Schulalltag zeigt das Zusammenspiel: Beim Thema „Gestalte dein Traumzimmer“ werden mathematische Inhalte wie Maßstabsberechnung mit kreativen und sprachlichen Aufgaben kombiniert. Im Maker Space entstehen physische Modelle, während gleichzeitig sprachliche Beschreibungen in mehreren Sprachen erarbeitet werden. 

So wird Lernen nicht nur fachlich, sondern auch praktisch und kreativ erfahrbar.

Warum Standardisierung Individualisierung ermöglicht

So individuell das Lernen in diesen offenen Lernsettings im Alltag wirkt, so klar strukturiert ist das System dahinter.

Eine zentrale Erkenntnis der Schule ist:

Individualisierung funktioniert nur dann, wenn sie auf klaren, standardisierten Strukturen basiert.

Lernformate, Abläufe und Materialien sind bewusst einheitlich gestaltet, sodass Lernende sich nicht ständig neu orientieren müssen. Für Lehrkräfte entsteht so die Möglichkeit, gezielt dort zu unterstützen, wo es notwendig ist.

Hier spielt das Lernmanagementsystem itslearning als zentrale Lernplattform eine entscheidende Rolle.

itslearning als verbindendes System im Schulalltag

Am Gymnasium Mainz-Mombach übernimmt itslearning als Lernplattform die Funktion eines zentralen Systems, das Lernprozesse strukturiert und zugänglich macht.

Das folgende Video ist auf Deutsch.

 

Lerninhalte werden gebündelt bereitgestellt, Lernpfade geben Orientierung und ermöglichen es, Inhalte im eigenen Tempo zu bearbeiten. Gleichzeitig wird die Kommunikation zwischen Lehrkräften, Lernenden und Eltern vereinfacht.

Die Schulleitung beschreibt den Einsatz von itslearning so:

"Wir nutzen itslearning, weil die Plattform alle Lerninhalte zentral bereitstellt. Jedes Kind soll seinen eigenen Lernweg gehen können.“

– Ulf Neumann-Welkenbach, Schulleitung

Durch den Einsatz eines Lernmanagementsystems wird es möglich, digitales Lernen und sinnvoll in den Schulalltag zu integrieren und Individualisierung praktisch umzusetzen.

Ein Schüler beschreibt diesen Vorteil so:

"Itslearning hilft beim Lernen, weil man es einfach überall mit hinnehmen kann. Ich kann meine Aufgaben mit dem IPad in verschiedene Räume mitnehmen und muss nicht (…) Hefte oder Bücher mitnehmen“

– Emil, Schüler in der 7. Klasse am Gymnasium Mainz-Mombach

Verantwortung übernehmen: Die Rolle der Lotsenfische

Ein besonderer Aspekt des Schulkonzepts zeigt sich in der Rolle der sogenannten Lotsenfische. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von Lernende die sich durch ihre Leistungen zusätzlich Verantwortung verdienen und aktiv zur Gestaltung des Schulalltags beitragen.

Sie organisieren beispielsweise Schulführungen für Besuchende, erklären das Lernkonzept und begleiten Gäste durch die Schule. Diese Aufgaben werden eigenständig organisiert und zeigen, wie stark Lernende in die Schulgemeinschaft eingebunden sind.

Dieses Modell fördert nicht nur Verantwortungsbewusstsein, sondern auch Selbstvertrauen und Kommunikationsfähigkeit. Lernende erleben, dass ihre Rolle über den eigenen Lernprozess hinausgeht und sie aktiv zur Entwicklung der Schule beitragen können.

Zwei Perspektiven, ein gemeinsames Ziel

Die Wirkung dieses Ansatzes zeigt sich besonders deutlich, wenn man die Perspektiven von Schüler:innen und Lehrkräften gemeinsam betrachtet.

"Itslearning hilft mir sehr, weil ich es überall nutzen kann und es wirklich flexibel ist.“

– Emil, Schüler in der 7. Klasse am Gymnasium Mainz-Mombach

"Itslearning hilft mir, weil ich selbst entscheiden kann, wann ich mit einer Aufgabe fertig bin.“

– Sonja, Schülerin am Gymnasium Mainz-Mombach

Für Lehrkräfte bedeutet das Konzept eine andere Form der Arbeit.

„Für meinen Korrekturalltag ist das eine große Erleichterung. Auch auf der Kommunikationsebene macht es vieles einfacher.“

– Christian Schlegel, Lehrkraft

Es entsteht mehr Raum für das, was pädagogisch entscheidend ist: Lernbegleitung, Feedback im Unterricht, Reflexion und gezielte individuelle Förderung.

Mehr als nur Digitalisierung: Ein Zusammenspiel aus Konzept, Ausstattung und Begleitung

Das Beispiel zeigt deutlich: Digitalisierung allein verändert Schule nicht. Erst im Zusammenspiel mit einem klaren pädagogischen Konzept entfaltet sie ihre Wirkung.

Das entspricht auch dem Selbstverständnis der Schule: Digitalisierung erfolgt nicht zum Selbstzweck, sondern unterstützt das Lernen, zielgerichtetes Feedback und einen souveränen Umgang mit der digitalen Welt. Unterstützt wird dies am Gymnasium Mainz-Mombach durch eine gute Schulausstattung sowie eine bewusste medienpädagogische Begleitung, die den Umgang mit digitalen Werkzeugen reflektiert und begleitet.

Schulentwicklung wird als ein Prozess verstanden. Erfahrungen werden reflektiert, Konzepte werden angepasst und stetig weiterentwickelt. Denn eine Schule zu gestalten, die allen Lernenden gerecht wird, ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein langfristiges Engagement.

Fazit: Individuelles Lernen braucht Klarheit, Struktur und Vertrauen

Das Gymnasium Mainz-Mombach zeigt, wie ein Schulkonzept aussehen kann, das konsequent von den Bedürfnissen der Lernenden ausgeht und gleichzeitig im Alltag funktioniert.

Individualisierung entsteht nicht durch weniger Struktur, sondern durch eine bessere. Sie braucht klare Systeme, verlässliche Abläufe und Werkzeuge, die den Schulalltag unterstützen. Am Gymnasium Mainz-Mombach ist itslearning ein zentraler Bestandteil und unterstützt Lernen, das sich an den Bedürfnissen der Lernenden orientiert.

Gymnasium Mainz-Mombach im Überblick

  • Schultyp: Gymnasium (Deutschland) / Sekundarstufe 
  • Standort: Mainz, Rheinland-Pfalz, Deutschland
  • Anzahl der Lehrkräfte: 29
  • Anzahl der Schüler:innen: ca. 330
  • Schule im Aufbau aktuell mit Klassen 5–8
  • itslearning seit Beginn im Einsatz